Von Madoff lernen

Dabei ist eines der Kernthemen der Diskussion stets die Frage der Zurechenbarkeit von Investitionsentscheidungen – und der Verantwortung dafür.
Genau genommen müsste es aber heißen: der mangelnden Verantwortung dafür. Ist es doch der Finanz- und Anlagebranche auf breitester Ebene sanktionslos möglich geworden, sich der Verantwortung zu entledigen und Produkte zu verkaufen, deren Entwurf nach herkömmlichem Rechtsverständnis kriminalrechtlich relevant sein müsste.

Wie sich gezeigt hat, leugnen immer noch zahlreiche Vertreter der Finanzwirtschaft, dass das kriminelle Potenzial solcher Produkte erkennbar gewesen wäre. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Aus der Sicht der Opfer ist es egal, ob Schäden aus Inkompetenz oder aus krimineller Absicht verursacht werden. Professionelle Anleger haben seit Jahren einen großen Bogen um Madoff-Produkte gemacht. Gerade im Fall Madoff wäre nicht einmal Kompetenz erforderlich gewesen, sondern allein der Hausverstand hätte genügt. Eine Ansicht, die auch jener US-Bundesrichter vertritt, der den Fall verhandelt hat.
Natürlich ist der Sach­verhalt nicht so leicht: es gibt nicht nur Täter und Opfer. Es gibt ein ganzes Biotop an Vermittlern und Beratern. Von diesen haben einige wahrscheinlich die Kompetenz und den Verstand, das Unrichtige in Produkten zu ­erkennen.

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