Weber hat Recht: Es muss alles auf den Tisch

Bundesbank-Chef Axel Weber hat in der Schuldenkrise die Büchse der Pandora geöffnet.Mit seinen Gedankenspielen zur Höhe der Verschuldung von Spanien, Portugal, Irland und Griechenland hat er Spekulationen über eine Aufstockung des Rettungsschirms für Euro-Wackelkandidaten angefacht.

Das EZB-Ratsmitglied machte in Berlin eine gewagte Rechnung auf, in der letztlich unter dem Strich 145 Milliarden Euro zur Rettung aller vier Krisenstaaten vor einer Pleite fehlen. Die Botschaft ist alles andere als beruhigend: Wenn es hart auf hart kommt, muss das Hilfspaket nachgebessert werden.

Webers “Mut zur Lücke” überrascht, sind doch äußerst heikle Stunden für den Euro angebrochen. Aus Brüssel und Berlin kamen umgehend Dementis zu Berichten über eine Aufstockung des insgesamt 750 Milliarden Euro umfassenden Rettungsschirms – doch der Geist ist nun aus der Flasche.

Beruhigungspille

Die Anleihemärkte haben das klamme Portugal bereits waidwund geschossen und spekulieren mit hohen Risikoaufschlägen heftig darauf, dass das westlichste EU-Land den Iren unter den Rettungsschirm folgen und ebenfalls zweistellige Milliardenbeträge aus Brüssel abrufen könnte. Die EZB-Spitze tut derzeit kaum etwas, um den Spekulationen die Spitze zu nehmen. Der portugiesische Vizepräsident Vitor Constancio will keine “Prognose darüber” abgeben, ob auch sein Heimatland Hilfe benötigen wird. Auch Weber hat mit seiner Rechnung keine Sicherheit geschaffen – im Gegenteil. Der Ökonomie-Professor rechnete vor, dass zur Stützung der Wackelkandidaten insgesamt 925 Milliarden Euro bereitstehen, im äußersten Notfall aber 1070 Milliarden Euro benötigt werden könnten.