Gelernt ist gelernt – nehmen wir uns ein Beispiel an Estland und Schweden

Wir haben ganz einfach die Entscheidung getroffen, dass wir kein Geld ausgeben können, das wir nicht haben”, sagte der estnische Finanzminister Ligi im Sommer in einem Gespräch.
Eine Herangehensweise, die das neue Budget für 2011 beweist. Die Ansage an alle Defizitsünder lautet 1,6 Prozent Neuverschuldung für 2011. Die Staatsverschuldung liegt unter zehn Prozent, ab 2013 sollen Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet werden. Das wäre nichts Neues für das kleine baltische Land, das ab Januar kommenden Jahres den Euro einführt. „Das Faszinierende an Estland ist doch, dass es über Jahre ­Budgetüberschüsse erbracht hat”, sagt Klaus Schrader, Baltikumsexperte des Instituts für Weltwirtschaft Kiel – das wiederum habe in der Krise geholfen. Sie ist schließlich keineswegs an Estland vorüber gegangen. Im Jahr 2009 musste das Land einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von 14 Prozent verkraften. Das Einkommensniveau ist auf den Stand von 2005 gefallen.

Schweden

Wer in Schweden von der „Krise” spricht, kann oft missverstanden werden – die Zuteilung ins richtige Jahrzehnt misslingt bisweilen. Anfang der 90er erlebte Schweden nach der Implodierung des überhitzten Immobiliensektors eine Bankenkrise, Elemente der aktuellen Wirtschaftskrise wie Bankengarantien und Bad Banks sind in Stockholm wohlbekannt.

Diese Erfahrung habe Schweden in den vergangenen zwei Jahren geholfen, meint David Domeij, Professor an der Stockholm School of Economics, im Gespräch. Die Regierung unter Premier Reinfeldt, aber auch seine Vorgänger hätten eine vorsichtige Fiskalpolitik gewählt. „Wir haben aus der Krise in den 90ern gelernt”, so Domeij. Zusätzlich habe die Regierung auch weniger Geld aus den Staatskassen in Richtung Banken schicken müssen – ebenfalls ein Erbe der Turbulenzen im vorigen Jahrtausend. Die Zahlen bestätigen die Aussage des Experten. Von 2004 bis 2008 hat der schwedische Haushalt Überschüsse produziert. Mit einem Defizit von 0,9 Prozent im vergangenen Jahr tänzeln die Schweden in den Maastricht-Kriterien. Die Staatsverschuldung sinkt.